2003 /  VON RECHTS NACH LINKS: PERSEPOLIS, HARDY, BALTHAS-> mehr dazu im Blog von Hardy unter http://textfreun.de/abfahrt/   Photo: Selbstauslöser

2003 / VON RECHTS NACH LINKS: PERSEPOLIS, HARDY, BALTHAS-> mehr dazu im Blog von Hardy unter http://textfreun.de/abfahrt/ Photo: Selbstauslöser

Gerade sind wir zurück von unserer Iran-Reise. Hommage auf webwort durch dieses Bild von Hardy und mir in Persepolis. Und durch einen Auszug aus Hardy’s Reise-Blog. Den ganzen Text gibt es auf http://www.roede.net/textfreunde/abfahrt/ .

Zwei Tage davor standen Balthas und ich noch auf dem Berggipfel “Kuhe Shir”, mitten in der ostiranischen Wüste. Würde ich wieder in den Iran fahren, ich würde viel Zeit auf Berggipfeln verbringen. Die Luft, das Leben ist so angenehm ruhig und konzentriert. Zwei Schritte, ein Atemzug. Pause. Blicke. Eine Dattel aus dem Rucksack. Weitergehen: Zwei Schritte, ein Atemzug. Anstrengend und steil.

Der Ausblick am Plateau, kurz unter dem Gipfel, bringt uns zum Lachen, so unglaublich ist er. Nach Norden hin furchen die ausgetrockneten Schmelzwasserflüsse ihren Weg in die gelbe Wüste. Am Horizont unsere Stadt Bam. Nach links hin steigt die Wüste unwirklich an, der Einstieg in den Bergkessel, aus dem wir losgelaufen sind. Dort, in Richtung Norden, sieht der Iran ganz anders aus: Nur Gebirge, Passstraßen, das Dorf in miniklein, die grünen hohen Bäume, die Rinnsale vom Berg. Und Wolken, die das Leben und das Wandern angenehm temperieren. Und etwas weiter links: der Gipfel. Der Kreis schließt sich. Zum letzten Mal auf dieser Reise klicken unsere Fotoapparate in Serie. Ich hoffe, die insgesamt rund siebenhundert Bilder zuhause zu einem einzigen Panorama zusammensetzen zu können, das alle Farben, alle Gerüche, alle Geräusche, alle Gefühle zusammenfasst und zu einer eigenen Reise werden lässt, die nirgends anfängt und nirgends endet.

Am Abend vorher hatten wir mit den Bewohnern des kleinen Internet-Ladens ein paar unserer interessantesten Stunden verbracht. Internet bedeutet Freiheit, gerade jetzt, gerade hier. Ungefähr eine Stunde lang hatten wir versucht, uns bei einem der zehn Anschlüsse des Providers in der 300 Kilometer entfernten nächstgrößeren Stadt einzuwählen. Simon, der Australier, der irgendwelche Banktransaktionen vorhatte, war entnervt abgezogen, kurz bevor Balthas mit situativem Pathos “Wir sind online” hauchte. In den anderthalb Stunden, die wir vor ihrem Rechner verbrachten, tauten die Ladenmenschen auf, erzählten uns einmal mehr, was alles nicht stimmt in ihrem Land, schenkten uns MP3-CDs randvoll mit persischer Musik, schossen Erinnerungsfotos mit den wundersamen Deutschen und erbaten Kontakt per Mail. Die Erkenntnis: Der aufgeklärte Blick von Menschen im Iran hing oft mit der Anwesenheit eines Internet-Zugangs zusammen. Informationen, dort, wo man keine bekommt, bedeuten Macht und Möglichkeiten für jeden, bedeuten die Chance, den Anschluss zu finden und zu halten und selbst einen eigenen Weg zu finden. Mehr davon, dachten Balthas und ich. Dieses Land hat Großes vor, wenn man es nur lässt. Das Internet und das Satellitenfernsehen sind wichtige Werkzeuge dieser Freiheit.

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